Costa Rica blamiert Bayern

Nur mit 100% erneuerbaren Energien kann das Weltklima vor dem Kollaps bewahrt werden. Doch die bayerische Staatsregierung blockiert den Ausbau der erneuerbaren Energien, da sind viele lateinamerikanische Länder viel weiter.

Warum brauchen wir eine Vollversorgung mit 100% erneuerbaren Energien?

 

Ein globaler Transformationsprozess hin zu einer globalen Vollversorgung nur mit
erneuerbaren Energien ist notwendig und alternativlos, weil die Erde sonst der
Menschheit keine Lebensgrundlage mehr bieten wird.

In Teilen der Weltregionen sind die Lebensgrundlagen längst schon zerstört worden und
menschliches Leben ist dort nicht mehr möglich oder das Zusammenleben ist akut gestört.
Beispiele sind die großen radioaktiv verseuchten Gegenden um Tschernobyl oder Fukushima; die
Erdölregionen in Syrien, Irak, Sudan, wo die Konflikte um Rohstoffe längst in schlimmste Kriege
eskaliert sind; einzelne bereits vom steigenden Meeresspiegel überschwemmte Südseeinseln;
die Vergiftungen und Naturzerstörungen um Rohstoffabbauregionen; Metropolen mit
massenhaft Lungenkrebs und Herz-/Kreislauf-Erkrankungen erzeugenden Luftverschmutzungen.
Die bei weitem furchtbarsten Auswirkungen auf menschliches Leben auf der Erde hat die
drastische Erderwärmung, die durch den Verlust von landwirtschaftlichen Flächen infolge von
Austrocknung, Versalzung, Verendung der Vieherden oder Meeresspiegelanstieg heute schon
Abermillionen Klimaflüchtlinge erzeugt hat.

Die Weltgemeinschaft strebt daher mit dem Pariser Klimaschutzabkommen einen Stopp der
Erderwärmung bei 1,5°C (maximal 2°C) Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau
an. Doch was das wirklich bedeutet und was man wirklich tun muss, um 2°C (besser 1,5°C)
nicht zu überschreiten, ist kaum jemandem bewusst.

https://www.ecmwf.int/sites/default/files/medialibrary/2017-01/Copernicus_graphics_EN_1_650px.jpg

Bild 1: Rasanter beschleunigter Anstieg der Erdtemperatur in den letzten Jahren.

Quelle: 2016 was warmest year yet, ECMWF data show

Seit dem vorindustriellen Niveau hat sich die Erdtemperatur im Jahre 2016 bereits um etwa 1,3°C erhöht, mit steil ansteigenden jährlichen Temperaturerhöhungsschritten, wie die
Europäische Behörde für Wettervorhersagen (ECMWF) berichtet. Es muss befürchtet
werden, dass das untere Pariser Ziel von 1,5°C bereits um das Jahr 2020 überschritten sein
wird. Die weiterhin hohen globalen CO2-Emissionen werden die mit über 400 ppm hohe
CO2-Konzentration weiter steigen lassen, womit die Antriebskraft der mittleren jährlichen
Temperaturerhöhung weiter zunehmen wird.

Wie angesichts dieser hohen Welttemperatur die Erwärmung mit bloßer
Emissionsreduktion gestoppt werden soll, bleibt selbst vielen Klimaforschern und
Klimaschutzaktivisten ein Rätsel. Klar ist, dass die Konzentration der Klimagase und damit
die Steigerungsgeschwindigkeit der Erdtemperatur weiter ansteigen wird, wenn nicht sofort
weltweit aktiv gegengesteuert wird. Angesichts von bereits erreichten 1,3°C Erderwärmung
ist es offensichtlich, dass es endlich einen Stopp der weiteren Emissionen geben muss,
verbunden mit einer Strategie, die den überschüssigen Kohlenstoff wieder aus der
Atmosphäre entfernt.

Der wichtigste Einzelpunkt in einer solchen Strategie ist die Umstellung auf eine
emissionsfreie Weltwirtschaft, wobei eine Vollversorgung mit 100% erneuerbaren Energien
darin den effektivsten und wichtigsten Beitrag liefern muss. Ohne diese vollständige
Umstellung ist wirksamer Klimaschutz nicht möglich. Immerhin ist die Nutzung von Erdöl,
Erdgas und Kohle mit ca. 80% aller Klimagasemissionen verbunden. Ohne eine schnelle
Umstellung der Weltenergieversorgung bis spätestens 2030 ist die Einhaltung der Pariser
Klimabeschlüsse also völlig utopisch.

Wie muss eine Vollversorgung mit 100% erneuerbaren Energien aussehen?

Für eine Vollversorgung mit 100% erneuerbaren Energien müssen alle Arten von
erneuerbaren Energien in Verbindung mit allen Arten von Speichertechnologien genutzt
werden. Den mengenmäßig größten Anteil wird die heute schon billigste Art der
Stromerzeugung liefern, die Solar- und Windenergie. Da diese aber fluktuierend vom
Wetter abhängt, werden Wasserkraft, Geothermie, Bioenergien und Meeresenergien
ebenfalls einen erheblichen Anteil liefern müssen und können.
Zusätzlich zu diesen verlässlichen, vom Wetter weniger abhängigen erneuerbaren
Energien ist die große Vielfalt der Speichertechnologien unverzichtbar:
Pumpspeicherkraftwerke, z.B. auch in aufgelassenen Bergwerken; Batterien, in all ihrer
Vielfalt, Lithiumionen, Redox Flow, u.a.: „power to gas“ und „power to liquid”;
Schwungradspeicher. Sie alle werden benötigt, um einen Ausgleich für die
Schwankungen von Solar-und Windenergie zu schaffen. Speichertechnologien sowie die
intelligent mit modernsten IT-Technologien zusammengeschaltete Erzeugung von
erneuerbarer Energie werden einen bisher nicht erreichten Grad an Systemsicherheit
schaffen. Es gibt inzwischen genügend Beispiele weltweit, die belegen, dass dies
machbar ist und bestens funktioniert.

100% erneuerbare Energien sind inzwischen eine starke Weltbewegung geworden

In vielen Ländern der Welt gibt es Regierungsbeschlüsse, die Energieversorgung in wenigen
Jahrzehnten auf 100% erneuerbare Energien umzustellen. Auch in Deutschland gibt es
ähnliche politische Beschlüsse von Kommunen und Landkreisen. Bundestaaten wie
Thüringen, Rheinland-Pfalz und andere haben es beschlossen, Bayern gehört nicht dazu.
Auch haben tausende Städte sich bereits 100% erneuerbare Energien als Ziel gesetzt,
darunter Metropolen wie Vancouver, San Francisco, München, Frankfurt, Barcelona, Genf,
Doha, Sydney und viele mehr.
Ganze Nationen wie Schweden, Dänemark und Island haben solche Beschlüsse gefasst.
Einige wie Costa Rica, Uruguay und Nicaragua haben dies im Stromsektor schon erreicht
oder stehen kurz davor. Auf der Klimakonferenz in Marrakesch 2016 hat die Gruppe der
48 am meisten vom Klimawandel bedrohten Staaten beschlossen, spätestens bis 2050
auf 100% erneuerbare Energien umzustellen.

Große Persönlichkeiten wie der Hollywood-Schauspieler Leonardo di Caprio werben
offensiv für 100% erneuerbare Energien und inzwischen sogar für eine globale Abkühlung
statt einer weltweiten Aufheizung auf 2°C. Unterstützt und dokumentiert werden die sich
erstaunlich schnell ausbreitenden Beschlüsse von der globalen Kampagne 100%
Renewables.

Die Bewegung der 100%-Beschlüsse ist inzwischen eine starke Weltbewegung geworden.
Von dieser starken Klimaschutzweltbewegung hat sich der einstige Vorreiter Deutschland
längst verabschiedet. Inzwischen steigen in Deutschland trotz der Unterzeichnung des
Pariser Klimaschutzabkommens sogar die CO2-Emissionen wieder, insbesondere, weil der
Ausbau der erneuerbaren Energien von der Bundesregierung massiv eingeschränkt wurde.
Das frühere Vorbild Bayern ist sogar zum stärksten Bremser für den Ausbau der
erneuerbaren Energien geworden. Die Ursache liegt in verschiedenen Gesetzesneuheiten in
Bund und Land, die insbesondere von der CSU initiiert wurden. Wie stark der massive
Rückgang der Investitionen in Deutschland ist, kann man an folgenden Zahlen ablesen: Der
Ausbau der Solarenergie ist von 7,5 Gigawatt im Jahre 2012 auf etwa 1,5 Gigawatt im Jahre
2016 eingebrochen. Einen Ausbau bei Biogas gibt es so gut wie nicht mehr, genauso wie bei
der Wasserkraft und der Geothermie.

Einst rühmte sich Bayern zu Recht, die höchste Dichte an Solarstromanlagen zu haben – ein
großer Erfolg zivilen Engagements, der sich vor allem in über 100 Solarinitiativen zeigte.
Doch längst haben Länder wie China, Japan, die USA und allmählich auch Indien
Deutschland und Bayern im Ausbau der Solarenergie überholt. Die zuvor auch in Bayern
blühende Solarindustrie ist längst von der Antisolarpolitik in München, Berlin und Brüssel
nach China vertrieben worden. Vor wenigen Wochen ging mit Solarworld der letzte große
deutsche Solarkonzern in Insolvenz.

Nur noch der Windkraftausbau ist in Deutschland 2016 mit über 5 Gigawatt stark, mit der
Ausnahme Bayern: Hier hat die sogenannte 10 H-Regelung auch den vor Jahren von vielen
Bürgerenergiegemeinschaften getragenen Windkraftausbau massiv dezimiert.
Neuanträge für den Bau von Windkraftanlagen gibt es in Bayern kaum noch.

Und dort, wo die sehr selten gewordenen Baugenehmigungen für Windkraft noch
vorangetrieben werden, gibt es massive Bürgerproteste. Zwar betonen die örtlichen
Windkraftgegner häufig, dass sie nicht grundsätzlich gegen den Ausbau der Windkraft seien,
nur eben nicht in ihrem Ort. Ich habe aber noch keinen einzigen solcher Windkraftgegner
getroffen, der zwar zuhause gegen die Windkraft kämpft, dann aber in andere Orte fährt,
um dort den angeblich von ihm ja unterstützten Windkraftausbau gegen die dortigen
Windkraftgegner zu unterstützen.

Dabei sind die meisten Argumente der Windkraftgegner nicht haltbar. Lärmemissionen aus
Windkraft werden gesetzlich unter einem Niveau gehalten, das weit unter vielen anderen
Lärmquellen wie zum Beispiel dem Straßenverkehr liegt. Der Schattenwurf wird auf wenige
Minuten im Jahr begrenzt. Gesundheitliche Auswirkungen durch von Windkraft
verursachten Infraschall sind der Wissenschaft gänzlich unbekannt. Dagegen verursacht der
hohe Schadstoffausstoß von Kohlekraftwerken in der EU jährlich 23 000 Krebstote. Die
Leukämiefälle von Kindern in der Umgebung von Kernkraftwerken wie auch Grafenrheinfeld
sind nur zu bekannt. All diese verheerenden Krankheitsursachen hilft der Ausbau der
erneuerbaren Energien zu vermeiden.

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Auch die Verteufelung von Windkraftanlagen als Vogelschredderanlagen ist haltlos. So hat
die Population der Rotmilane parallel zum Ausbau der Windkraft in Deutschland seit vielen
Jahren sogar zugenommen. Und die als windkraftsensibel geltenden Vogelarten
Schwarzstorch, Uhu, Seeadler und andere konnten aus der roten Liste der gefährdeten
Vogelarten gestrichen werden, trotz des starken Windkraftausbaus. Vielmehr sind
Erderwärmung und massiver Schadstoffausstoß wie Radioaktivität und Schwermetalle aus
Kohlekraft eine viel schlimmere und in der Tat ganze Vogelpopulationen gefährdende
Todesursache für Vögel. Wer also Vogelpopulationen vor dem Aussterben wirksam schützen
will, muss erneuerbare Energien ausbauen, das Klima schützen und die fossile
Energiewirtschaft beenden.

Die Auswirkungen der bayerischen Widerstände gegen die erneuerbaren Energien sind
verheerend für den Klimaschutz und den Atomausstieg. Noch immer liefern die
Atomkraftwerke, selbst nach dem Abschalten von Grafenrheinfeld, fast 40 % der
Stromversorgung in Bayern. In fünf Jahren, dem Jahr 2022, müssen nach dem
Atomausstiegsgesetz alle Atomkraftwerke abgeschaltet sein. Einen nennenswerten Ausbau
der erneuerbaren Energien gibt es in Bayern nicht mehr. Erneuerbare Energien werden also
die abzuschaltenden großen Atomstrommengen in den nächsten Jahren nicht ersetzen
können.
Wo soll dann in fünf Jahren der Ersatz des Atomstroms herkommen? Aus Kohle- oder
Erdgaskraftwerken? Dann wird der bayerische CO2-Ausstoß extrem stark ansteigen. Alleine
Bayern würde die deutschen Verpflichtungen zum Pariser Klimaschutzabkommen völlig
zunichte machen. Oder werden wir dann – wie schon 2010 von der CSU mit durchgesetzt –
die nächste Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke sehen?
Die Zeit ist endgültig reif: Die Weltgemeinschaft inklusive Deutschland braucht eine
offensive Politik und gesellschaftliche Bewegung für die schnelle Umstellung auf 100%
erneuerbare Energien. Andernfalls werden immer weitere Teile der Welt im Chaos der
Welterwärmung und der Kriege um die letzten fossilen Rohstofflagerstätten versinken. Die
heute schon 20 Millionen Klima- und Kriegsflüchtlinge sollten uns Mahnung genug sein,
endlich alle Blockaden gegen den Ausbau der erneuerbaren Energien zu lösen und die
Umstellung auf 100% erneuerbare Energien auch in Deutschland spätestens bis 2030 zu
vollenden.