Der blinde Fleck – Täter. Attentäter. Einzeltäter?

Daniel Thebaud

Im Januar hatte auch der Film „Der blinde Fleck“ mit zahlreichen hochkarätigen deutschen Schauspieler*innen wie Benno Fürmann, Nicolette Krebitz und Heiner Lauterbach Premiere. Der Film basiert auf den Recherchen des Journalisten Ulrich Chaussy zum Oktoberfestattentat 1980 mit 13 Toten und 211 Verletzten. Schon damals schien der Staat und der Verfassungsschutz auf dem rechten Auge blind zu sein. Während kurz nach der Tat auch der damalige bayerische Ministerpräsident und Bundeskanzlerkandidat Strauß noch von einem „politischen Verbrechen“ sprach (und dabei an linken Terror dachte), wurde die Tat – sobald bekannt wurde, dass es beim (Haupt-)täter um einen Anhänger rechtsextremen Gedankenguts, (ein Mitglied der NPD-nahen Wiking-Jugend und der rechtsextremen Wehrsportgruppe-Hoffmann handelte) – plötzlich zur Einzeltat: „Aus einer schweren persönlichen Krise und/oder aus übersteigertem Geltungsbedürfnis heraus“ (sic. Bundesanwaltschaft).

Oktoberfest
(Foto: Leo Simon)

Der Film zeigt, wie der Chef des bayerischen Verfassungsschutzes einem ausgewählten Journalisten den Namen des Täters verrät und dadurch die Presse wichtige Zeug*innen noch vor der Polizei befragt. Und wie dadurch mögliche Mittäter*innen ihre Alibis absprechen können etc. Er zeigt auch, wie die Polizei Zeug*innenaussagen, die mehrere Kompliz*innen am Tatort gesehen haben wollen einfach ignoriert oder passend schreibt und wie sogar eine am Tatort gefundene Hand, die nachweislich weder dem (Haupt-)Täter Gundolf Köhler, noch einem der anderen Verletzten oder Toten gehört, einfach doch Gundolf Köhler zuordnet wurde (obwohl der eine andere Blutgruppe hatte!), weil sich nur so die Einzeltäter-These aufrecht erhalten lässt. Das Buch, dass die Recherchen Ulrich Chaussys zusammenfasst trägt daher passenderweise den Titel: „Oktoberfest Das Attentat -Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann“. Gerade auch in Bezug auf die NSU-Morde sind der Film und das Buch aktueller denn je.

*Tipp: Der Journalist Ulrich Chaussy, sowie der Regisseur des Films Daniel Harrich boten bei der Vorstellung in Augsburg interessierten Verbänden und insbesondere Schulklassen in Bayern an den Film gerne auch persönlich vorzustellen und im Anschluss darüber zu diskutieren. Evtl. ist das auch für eure Schule bzw. GJ-Veranstaltungen interessant.