Die grüne Pflaume – Unser Negativpreis für aktuelle Werbekampagnen

Franzi Mack und Daniel Thebaud

Platz 3: „McDonalds -Die Nuggets werden ja öfter kontrolliert als meine Hausaufgaben.“

Ein junges Mädchen im Grundschulalter isst einen Chicken McNugget. Sie soll zum Claim „So schmeckt Spaß“ Werbung für die fettigen, ungesunden, panierten und frittierten Hähnchenbrustteile aus Massentierhaltung machen. Unbeantwortet bleibt natürlich die Frage, wie oft die Hausaufgaben des Mädchens tatsächlich kontrolliert werden und wer bei den Chicken Nuggets die Kontrollen durchführt. Nach all den Gammelfleischskandalen ist es schwer vorstellbar, dass staatliche Kontrolleur*innen nahezu täglich bei McDonalds Zwischenstation machen. Ebenso schwer vorstellbar ist es, dass McDonalds-Kontrolleur*innen alle paar Tage einen Blick in die Ställe mit zigtausend Hühnern werfen, die dort in wenigen Wochen auf ihr Schlachtgewicht gemästet werden, wobei eine Überlebensrate von 90 % (bis zur Schlachtung per Kopfabhacken) noch als guter Wert gilt. Die Peta-Wiesenhofdoku lässt grüßen. Gesund und ohne Massentierhaltung ist jedenfalls anders! Nachdem McDonalds zum Jahreswechsel nach 14 Jahren auch die letzten verbliebenen acht Restaurants in Bolivien schließen musste, da die überwiegend indigene Bevölkerung dem billigen schnellen Essen misstraute, ist zu wünschen, dass auch unsere Bevölkerung die durchsichtige Kampagne, die McDonalds einen gesunden Anstrich verpassen soll, durchschaut und entsprechend handelt.

Platz 2: Deutsche Bahn -Kein Job wie jeder andere

Unsere Bahn ist ein Konzern, der zu 100 % dem Staat gehört, und (nachdem Rüdiger Grube noch wenige Monate vor Fukushima seinen Namen zusammen mit anderen Managern unter eine Werbeanzeige für den Ausstieg aus Atomausstieg gesetzt hat, um die Kanzlerin an ihr „Versprechen“ zu erinnern) jetzt Werbung für Bahncards mit Ökostrom macht. Angesichts dessen, dass ein Großteil der Regional- und Güterzüge noch mit fossilen Brennstoffen unterwegs ist, ist dieses Öko-Image der Bahn nicht sehr überzeugend.
Neben diesem Greenwashing macht die Bahn derzeit aber auch Werbung auf Plakaten in Zügen und Bahnhöfen, in denen sie neue Mitarbeiter*innen sucht, bei denen das Geschlecht scheinbar eine tragende Rolle spielt. Anders ist kaum zu erklären, weshalb die Bahn für viele Berufe eine Vorauswahl mit typisch männlichen/weiblichen Attributen und Menschen in den Anzeigen trifft. Statt zu Gendern werden für verschiedene Berufe jeweils drei Worte verwendet, deren Schnittmenge der gesuchte Beruf ist. Beim (männlichen) Ingenieur auf dem Bild ist zu finden: Spürnase, Adlerauge, Stratege = Ingenieur. Mit viel Glück findet sich dahinter noch ein (w/m) bei der DB. Die „Stewardess“ im ICE soll dagegen vorzugsweise weiblich sein. Kaum ein Junge dürfte sich wohl von den Begriffen „Gute Fee, Sonnenschein, Gastgeberin“ und der freundlich lächelnden Dame im ICE mit dem Croissant in der Hand jobtechnisch angesprochen fühlen.

Platz 1: Sky -Du willst es doch auch

Den Vogel schießt jedoch Sky mit seiner Kampagne für überteuertes Bezahlfernsehen ab. Nachdem uns in den Vormonaten eine Dame, die genüsslich in einen Fastfoodburger biss (McDonalds oben lässt grüßen) und uns dazu mit der Weisheit „ wenn du wirklich Hunger hast, isst du keinen Salat!“ beglückte, verwendet Sky jetzt einen Spruch, der meist von angetrunkenen Männern verwendet wird, während sie Frauen sexuell belästigen oder Schlimmeres:„Du willst es doch auch!“ Sky macht sich hier eine Logik gemein, die so auch das Gericht in Dubai verwendet hat, um eine junge Schwedin, die eine Vergewaltigung durch ihren betrunkenen Arbeitskollegen anzeigte, wegen „Alkoholkonsum und außerehelichem Geschlechtsverkehr und Meineid“ zu verurteilen. -Sie wollte es doch auch. Nein, wir wollen es nicht! Wir wollen keine sexistische Scheinlogik, die den Opfern sexueller Gewalt einredet, es sei ihre Schuld gewesen und die Täter aus der Haftung nimmt! Und ob wir bei solcher Werbung euer Pay-TV wollen, werden wir uns da auch zweimal überlegen.