Die Grüne Pflaume – Der Preis für die schlechteste Werbung

von Franzi Mack und Daniel Thebaud

Platz 3: Man kann die Olympischen Spiele in Sotchi mit Vielem verbinden: Mit der massiven Missachtung von Menschenrechten in Russland, insbesondere von Homosexuellen, der Massentötung von Straßenhunden vor den „Spielen“, massiven Korruptionsvorwürfen, gigantischer Umweltzerstörung und vielem mehr. Die Deutsche Bahn (die zu 100 % dem gleichen Staat gehört, dessen Staatsoberhaupt Olympia 2014 aus o.g. Gründen boykottiert) verbindet die Spiele in Sotchi jedoch mit etwas ganz anderem: Tumbem Nationalismus und einem billigen Lockvogelangebot. Völlig egal, was: Hauptsache Gold für Deutschland! „Die GOLD BahnCard 25 macht jeden zum Gewinner [sic!]! Holt Deutschland Gold, reisen Sie am nächsten Tag gratis.“ Völlig egal, ob Maria-Höfl Riesch, die in Österreich lebt und dort ihre Steuern zahlt, gewinnt, und völlig egal, ob im Curling oder im Langlauf… es geht nicht um Sport, es geht nur darum, dass „Deutschland“ gewinnt. Fast könnte man meinen, der Olympische Gedanke laute „Gewinnen ist alles“. Der Gedanke der Bahn ist wohl „Gewinn ist alles“. Bei der Werbekampagne springen zwar ein paar einkalkulierte „Freifahrten“ heraus, einige Menschen übersehen allerdings, dass sich die Lockvogel-Bahncard nach 3 Monaten ohne schriftliche Kündigung automatisch selbst verlängert. Von wegen die Bahn macht jede*n zur*m Gewinner*in: Die Verlierer*innen sind die Demokratie, die Menschenrechte, die Menschen in Russland vor Ort und alle, die sich gegen Homophobie und Nationalismus stark machen. Diesen Podestplatz hat sich die Bahn wieder redlich verdient.
QueerJustice

Platz 2: Wenn man auf einer längeren Autofahrt seine Musiksammlung vergessen hat, könnte man beim Zappen fast meinen, alle Radiosender seien gleich; aber das stimmt nicht: Einige Radiosender sind nämlich sexistischer als andere. So zum Beispiel das Münchner Radio Arabella. Diese wollen mit dem Slogan „Hautnah am Hörer!“ wohl bildlich gesprochen die Hand auf der Brust einer, dem gängigen heteronormativen Schönheitsideal entsprechenden, Hörerin haben. Oder sie möchten dem heterosexuellen männlichen Hörer beweisen, dass „sex sells“ eine immer noch gültige Aussage in der Werbebranche ist. Sich quasi ihrem Schicksal ergebend hat die junge Dame die Hände hoch erhoben, und ein männlicher Arm umschlingt sie von hinten und langt ihr direkt an die rechte Brust. Vielleicht ist die Aussage des Radiosenders aber auch eine ganz andere: wir legen weniger Wert auf Musik, sondern machen einfach nur billige sexistische Unterhaltung. Das Plakat wird dadurch zwar nicht besser, aber immerhin wäre die Botschaft ehrlich.

BreakFree

Platz 1: Der Name „Vogue“ steht schon lange nicht mehr nur für gefährlichen Schlankheitswahn und einen Körperkult, der Frauen seit über 100 Jahren lediglich auf ihr Aussehen reduziert, sondern mittlerweile auch für selbsternannten „Premiumrauchgenuss auf französische Art“. Die „la cigarette“ wirbt mit dem Spruch, sie sei „für Frauen gemacht“. Bei einer solchen Werbung gerät man dann doch ins Grübeln und fragt sich, ob die Zigarettenfirmen da Rücksicht auf anatomische Besonderheiten der Lippenformen nehmen oder Frauen möglicherweise andere Geschmacksnerven besitzen als Männer. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass da nur wieder jemand versucht, an den unmöglichsten Stellen Geschlechtsunterschiede zu kreieren, wo eigentlich gar keine sind. Wir haben zumindest noch nie eine Raucherin getroffen, die nur Frauenzigaretten raucht. Wenn man dann noch weiß, dass die Firma „British American Tobacco“ für ihre Produkte grausame Tierversuche durchführen lässt, schließt sich zumindest in Bezug auf den Namen Vogue der Kreis. Dass nämlich die Chefredakteurin ebenjener Zeitschrift dank ihrem konsequenten Festhalten an Pelz auch heute noch mitverantwortlich für millionenfache Tierquälerei ist, wundert uns schließlich gar nicht mehr.

BreakFree2
(Zeichnungen: Jenny Beyer)