drEi steht für Quälerei

Daniel Thebaud
Viele kennen den Spruch „3 steht für Quälerei“, der auf die Kennzeichnungspflicht von Eiern hinweist. Doch wie viele wissen, was sich hinter dem euphemistischen Begriff der „Kleingruppenhaltung“ (eingeführt vom damaligen „Verbraucherschutz-Minister“ Seehofer) verbirgt? Nachdem 1999 die schlechte alte Käfighaltung vom Bundesverfassungsgericht für gesetzwidrig erklärt wurde, da Hühner picken, scharren, in Sand baden und geschützt Eier legen müssen, wurden kleine kosmetische Korrekturen vorgenommen. So sitzt heute nicht mehr nur ein Huhn in einem Käfig, sondern eine Gruppe von 40-60 Tieren; jedes bekam quasi einen Bierdeckel mehr Platz und eine Gummimatte als Unterlage und hat damit aber immer noch etwas weniger als ein DIN A4-Blatt-Papier Platz im Käfig.
Diese Haltung wurde zwar 2010 erneut vom Bundesverfassungsgericht als unvereinbar mit dem Grundgesetz erklärt, eine Neuregelung ist jedoch bis heute nicht erfolgt und bereits bestehende Betriebe haben Bestandsschutz. Doch Tierquälerei versteckt sich auch in der „2“ der Bodenhaltung. Denn auch hier werden tausende Hühner in riesigen Hallen ohne Sonnenlicht gehalten. Für diese sozialen Tiere, die es gewohnt sind, in kleinen Gruppen mit bis zu 15 Tieren mit fester Hierarchie, auf großen Flächen auf Futtersuche zu gehen, ist das keinesfalls artgerecht. Vor allem nicht, wenn 9 Tiere pro m² gehalten werden dürfen. Zum Vergleich: in der Freilandhaltung sind es 4 m² – allerdings pro Tier! küken_png


Aber auch für Freiland- und Bioeier kommt auf eine Legehenne ein (für die Eiproduktion nutzloser) Hahn, der daher als kein Tag altes Küken kurz nach der Geburt geschreddert oder vergast wird. Das sind immerhin über 50 Mio. geschredderte Küken – pro Jahr –allein in Deutschland. Der grüne Landwirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel, hat dieses sinnlose Töten jetzt zumindest in NRW verbieten lassen, da das Töten von Tieren „ohne vernünftigen Grund“ eigentlich verboten ist. Doch warum nimmt man die männlichen Küken nicht als Fleischlieferanten? Einfach weil zur Profitsteigerung über die letzten Jahrzehnte hinweg verschiedene Hühnerarten zur Eierproduktion gezüchtet wurden (die über 300 Eier im Jahr legen und, sobald die Legeleistung nachlässt, zum Suppenhuhn werden) und Turbomasthühner zur Fleischproduktion, denen jegliches Sättigungsgefühl weggezüchtet wurde, sodass sie, wenn sie nicht nach knapp 2 Monaten geschlachtet würden, buchstäblich platzen würden. Zur Info: in Huhn würde normalerweise 10-15 Jahre alt werden. Zumindest in NRW wird jetzt wieder über sogenannte Kombirassen diskutiert, die etwas weniger Eier als „Legehybride“ legen und nicht ganz so schnell an Gewicht zulegen wie Turbomasthühner.
Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber solange es keine Kennzeichnungspflicht für Produkte mit Ei gibt, der Grundsatz „Hauptsache billig“ gilt, männliche Küken geschreddert/vergast werden und wir den Konsum nicht reduzieren (immerhin 18 Milliarden Eier jährlich allein in Deutschland 600 Masthähnchen im Schnitt pro Bundesbürger*in im Leben), wird sich für Hähnchen und Hühner in Deutschland leider nur wenig ändern.