Inter* – was ist das eigentlich?

Inter*, auch das dritte Geschlecht genannt, bedeutet, dass eine Person nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden kann, also „zwischen den Geschlechtern“ steht. Diese unklare geschlechtliche Zuschreibung ist auf rein biologischer Basis, sprich genetisch, hormonell und anatomisch. Da das Wort Intersexualität einen Bezug zur sexuellen Ausrichtung suggeriert, vergleichbar mit Homosexualität, wird gerne das Wort  Interidentität, oder kurz und Wertungsneutral Inter* verwendet. Inter* muss von Transsexualität – kurz Trans* –  differenziert werden, welche das Gefühl einer*s Betroffenen bezeichnet, einem anderem als dem eigenen biologischem Geschlecht anzugehören.
Inter*sind bis heute weitgehend ein Tabuthema unserer Gesellschaft. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung kommt das “dritte Geschlecht” fast nicht vor, obwohl Schätzungen zufolge etwa 2% der Bevölkerung intersexuell sind.

Wenn das Kind weder männlich noch weiblich ist, kann seit 2013 auf Verlangen auf den Geschlechtseintrag verzichtet werden – die Betonung liegt auf kann. Die Eltern können, in Kooperation mit der*m Ärzt*in, dennoch entscheiden, dass ihr Kind ein Mädchen oder Junge ist. Wenn das Geschlecht „eindeutig“ ist, kann sich allerdings nicht dafür entschieden werden, kein Geschlecht einzutragen. Auch Personen, die bereits vor dieser Regelung geboren wurden, können ihr Geschlecht nicht ohne Weiteres umtragen lassen. Sie haben keine Möglichkeit, ihr Geschlecht auf “anders” zu ändern, sie müssen sich weiterhin mit den klassischen Geschlechtern männlich und weiblich identifizieren.

Bis in die späten 60er Jahre wurden Kinder mit “uneindeutigen” Geschlechtsmerkmalen im frühen Kindesalter operativ dem einen oder anderen Geschlecht “zu sortiert”. Anschließend hat die Erziehung entsprechend dem gewählten Geschlecht stattgefunden. Die vorherrschende Meinung der Gesellschaft war, dass Geschlecht vollständig anerzogen werden könne. Dem Kind wurde oft bis ins Erwachsenenalter die Wahrheit vorenthalten. Aufgrund von Eigenidentifikationsproblemen der Betroffenen führte dies auffällig oft zu Depressionen.

Anders als bei Trans* gibt es für Inter* keine rechtliche Regelung für geschlechtsverändernde Maßnahmen. Das bedeutet in der Praxis,dassInter*, sofern es keine äußeren Merkmale gibt, den sogenannten “Transweg” gehen. Der “Transweg” beschreibt den Prozess des Geschlechterwechsels. Um für diese Behandlungen, hormonell und operativ, Unterstützung von der Krankenkasse zu bekommen, müssen verschieden Voraussetzungen gegeben sein. Diese Voraussetzungen sind im Transsexuellengesetz (TSG) verankert. Unter anderem müssen 12 Monate Therapie absolviert werden, bevor mit der Hormonbehandlung angefangen werden darf. Inter* müssen dafür die eigene Intersexualität, also das eigene Geschlecht verschweigen, um rechtlich unter das TSG zu fallen. Auch die Namens- und Geschlechtsänderung im Ausweis fällt unter das TSG und ist mit erheblichen Hürden verbunden.

Wir fordern ein Abrücken vomstarren, bimorphen männlich-weiblich-System! Jeder Mensch sollte das eigene Geschlecht ändern können und auch das Geschlecht auswählen können, dem er*sie sich zugehörig fühlt. Dafür muss es die Möglichkeit geben, das Geschlecht auch nach der Geburt noch als “anders”, stellvertretend für alle Geschlechter, welche sich zwischen männlich oder weiblich befinden, definieren zu können.
Einhergehend mit der Änderung des eingetragenen Geschlechts muss auch eine Namensänderung ohne Probleme möglich sein.
Auch sollte jeder Mensch leichter den Zugang zu operativen Anpassungen des Geschlechts haben. Aber gerade Kinder sollten vor einer solchen Operation geschützt werden. Eltern müssen umfassender aufgeklärt und sensibilisiert werden.

von Theresa Eberlein