Interview mit den VotenträgerInnen der GJ Bayern zur Landtagswahl 2013

mit Katharina Schulze (KS) und Stefan Christoph (SC)
von Teresa Zierer und Leo Simon (B)

(B) Beschreibe dich in drei Worten oder 3 Dinge, die dich ausmachen.

(SC) In drei Worten? Uff.. Organisiert, aber trotzdem offen für neuen Input. Ich stelle mich gerne neuen Herausforderungen.
(KS) Neugierig und verantwortungsbewusst und…

(B) Wirst du auch in zwei Jahren noch junggrüne Inhalte vertreten? Und wenn ja, wie?

(KS) Danke für den dezenten Hinweis, dass ich bald über die Bioklippe hüpfen muss. Aber ja, ich werde auch in zwei Jahren für junggrüne Inhalte streiten, denn man wird ja nicht mit 28 plötzlich ein anderer Mensch. Meine politischen Grundsätze sind weiterhin die gleichen: Die Umwelt und das Klima schützen, die Welt und die Gesellschaft – und zwar nicht morgen, sondern heute – verändern und die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Im Landtag könnte ich das beispielsweise ganz konkret durch Anträge machen, die unser Bild von einer freien, solidarischen und umwelterhaltenden Gesellschaft in dem jeweiligen Politikbereich wiederspiegeln.
(SC) Ganz ehrlich: Ich habe im vergangenen Jahrzehnt so viel Herzblut in die GRÜNE JUGEND Bayern gesteckt, dass mir gar nichts anderes in den Sinn käme, als auch weiter junggrüne Inhalte zu vertreten. Ich komme zwar der Altersgrenze der GRÜNEN JUGEND auch langsam näher, aber junggrün zu sein ist mehr eine Frage von Inhalten, denn eine Frage des Alters. Gerade die Bayerischen Grünen brauchen auch öfters mal ein inhaltliches Korrektiv, um sie wieder zurück auf den Boden der Tatsachen zu holen.
Grundsätzlich werde ich dabei so weitermachen wie auch bisher: Mit Aktionen, Demonstrationen und einer regelmäßigen Pressearbeit zu grünen Themen. Nur mit dem Unterschied, dass ich im Bayerischen Landtag das alles nicht nebenbei organisieren muss, sondern viel mehr Kapazitäten dafür habe.

(B) Mit welchen Themen ziehst du in den Wahlkampf? Warum ist dir dieses Thema am wichtigsten?

(SC) Mir sind vor allem die Bildungs- und die Hochschulpolitik wichtig. Ich denke, dass Bildung und Information nicht nur der wichtigste Rohstoff in unserem Land ist, sondern vor allem auch der Schlüssel für eine Teilhabe an der Gesellschaft. Bildung ist ein Menschenrecht, und daher brauchen wir ein sozial gerechtes und demokratisches Bildungssystem: Sei es die Einführung von Einer Schule für alle anstatt des dreigliedrigen Schulsystems, die Abschaffung der Studiengebühren oder die Demokratisierung von Ausbildung, Schule und Unversitäten.
Daneben liegt mir der ländliche Raum am Herzen: Ich komme aus einer sehr strukturschwachen Gegend in Ostbayern. Sei es der Öffentliche Nahverkehr, sei es Jugendkultur, sei es eine ausreichend schnelle Internetverbindung: Grade für Jugendliche ist das Leben auf dem Land oft enorm schwierig. Wenn der letzte Bus um 19 Uhr fährt und man selbst aber kein Auto hat, dann ist Kreativität gefragt, wenn man am sozialen Leben teilhaben und sich mit seinen FreundInnen treffen will. Gerade dann, wenn es im eigenen Dorf keine vernünftigen Angebote für Jugendliche gibt. Wir brauchen daher endlich einen besser ausgebauten Öffentlichen Nahverkehr, sondern auch die Förderung von alternativer Jugendkultur gerade auf dem Land.
(KS) Meine zwei Schwerpunkte sind die Klima- und die Genderpolitik. Wir brauchen in Bayern endlich ein Klimaschutzgesetz in dem die gesetzlichen CO2-Reduktionsziele verbindlich festgelegt werden. Dazu gehört eine Energiewende, die ihren Namen verdient hat, eine Steigeung der Ressourcen- und Energieeffizienz und veränderte Mobilität. Denn es ist klar: Die Klimakrise ist längst im vollen Gange und wir müssen das Tempo beim Klimaschutz erhöhen – schon alleine aus Generationengerechtigkeit, denn wie wir alle wissen haben wir die Erde nur geborgt. In der Genderpolitik halte ich es mit dem schönen Satz der Grünen Jugend: Fuck Gender, be yourself. Sprich: Ich möchte eines Tages in einer Gesellschaft leben, in der Menschen frei von starren Geschlechterzuschreibungen leben und eigene Identitäten entwickeln können, in der das Geschlecht keine Rolle mehr spielt und der Mensch im Mittelpunkt steht. Damit es soweit kommt, müssen die strukturellen Hindernisse und die immer wieder reproduzierten Geschlechterstereotypen abgebaut werden. Bayern braucht endlich eineN GleichstellungsbeauftragteN, Gender Mainstreaming muss in der Ausbildung von ErzieherInnen und LehrerInnen verankert werden und eine verbindliche Quote im öffentlichen Dienst und in Aufsichtsräten muss her – dafür möchte ich mich im Landtag einsetzen.

(B) Warum müssen mehr junge Politiker*innen in die Parlamente?

(KS) Weil junge Menschen die Teilhabe an politischen Prozessen nicht nur einfordern sondern auch wahrnehmen sollten. Ich bin der Meinung, dass niemand zu jung ist um die Mitgestaltung der Gesellschaft in die Hand zu nehmen – auch in den Parlamenten. Strukturen verändern, aufbrechen, die nachfolgenden Generationen im Blick haben – dafür braucht es auch junge Menschen.
(SC) Im Grunde kann ich Katha da nur zustimmen. Dazu kommt aber auch noch, dass unsere repräsentative Demokratie zur Zeit überhaupt keine Repräsentation bietet: Ein Parlament voller ergrauter ältlicher Herren bildet nicht die Gesellschaft ab, sondern höchstens einen Bruchteil davon. Ludwig Spaenle und Wolfgang Heubisch repräsentieren keine SchülerInnen, Azubis und Studierende; sie spiegeln höchstens reaktionäre Ideologie und verkrustete Denkstrukturen wieder. Ganz abgesehen davon, sind eben auch neue Ideen und Ansichten von direkt Betroffenen (beispielsweise des Schulsystems) notwendig, um eine fortschrittliche und realitätsnahe Politik zu machen.

Infos zur Person

Katharina Schulze
www.katharina-schulze.de
Twitter: @KathaSchulze
Facebook: https://www.facebook.com/Katharina.Schulze.Landtag

Interview_Katharina_Schulze

Ich bin Direktkandidatin für die Landtagswahl im Stimmkreis 104 (Milbertshofen) und auf der Oberbayerischen Liste für den Landtag auf Platz 5 zu finden. Außerdem bin ich Grünen Jugend Bayern Votenträgerin, worüber ich mich sehr freue!
Nach dem Abitur habe ich Politikwissenschaft, Psychologie und Interkulturelle Kommunikation an der Ludwig-Maximilians-­Universität studiert, mittlerweile promoviere ich seit einem Jahr im Themenfeld Demokratie und Klimaschutz. Seit 2010 bin ich Vorsitzende der Münchner Grünen. Davor war ich zwei Jahre Vorsitzende der Grünen Jugend München. Seit 2009 bin ich im Bayerischen Parteirat von BÜNDNIS 90/Die Grünen, dem erweiterten Landesvorstand aktiv. Als Sprecherin des Bündnisses „München gegen die 3. Startbahn“ habe ich mit den AktivistInnen dazu beigetragen, dass 2gewinnt! Mit Bündnisarbeit hatte ich schon vorher Erfahrung z.B. während dem Widerstand gegen die Olympiabewerbung München2018 als Sprecherin von „NOlympia München“.

Stefan Christoph
www.stefan-christoph.de
Twitter: @StefanChristoph
facebook: https://www.facebook.com/Stefan.Christoph.Landtag

Interview_Stefan_C.

Letzten Oktober hat mir die GRÜNE JUGEND Bayern eines der zwei Voten für die Landtagwahl 2013 ausgesprochen. Ich trete als Direktkandidat für die Landtagswahl im Stimmkreis Cham (203) an. Auf der Oberpfälzer Landtagsliste habe ich Platz 8 bekommen; aber die Listenreihung ist in Bayern eher von den Zweitstimmen als vom Listenplatz abhängig.
Ich habe an den Universitäten Leipzig und Regensburg u.a. Politikwissenschaft und Strafrecht studiert. Zur Zeit arbeite ich an der Universität Regensburg als Wissenschaftliche Hilfskraft und mache meinen Masterabschluss. Ich bin seit 2002 bei den Grünen und war von 2007 bis 2009 im Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND. Seit 2006 bin ich außerdem Kreisvorstand der Chamer (Alt-)Grünen. Ich war in der landesweiten SchülerInnenvertretung aktiv und bin daher auch über die Bildungspolitik zu den Grünen gekommen . Seit 2008 war ich u.a. studentischer Sprecher der Universität Regensburg und in anderen Gremien der Studierendenvertretung und der akademischen Selbstverwaltung aktiv; dort habe ich seitdem unter anderem auf die Abschaffung der Studiengebühren hingearbeitet, die dieses Jahr nun endlich wahr wird.

(Fotos: privat)