Kann Konsum fair sein? Ein Einblick in den Fairen Handel

Teresa Zierer

Wohin wir auch blicken: überall wird konsumiert, zu jeder Zeit. Der Konsum von Gütern jeglicher Art hat in unserer Welt einen festen Platz und ist nicht weg zu denken. Viele Menschen verfallen einer gewissen Gier und haben das Bedürfnis immer mehr zu kaufen und zu besitzen. Willkommen im Kapitalismus. Leider zieht das Konsumverhalten vieler Menschen negative Folgen mit sich. Die Preise werden gedrückt, Herstellungsbedingungen werden schlecht, Verschwendung steht auf der Tagesordnung. Auf der ganzen Welt werden Menschen von anderen Menschen ausgebeutet, in erster Linie von Unternehmer*innen und ihren Firmen, die menschenunwürdige Bedingungen zulassen und sogar anordnen. Indirekt sind auch wir Konsument*innen, die zahlreich die Produkte dieser Firmen kaufen, verantwortlich für diese Misere, diesen Teufelskreis. Unser Verhalten spricht diesen Firmen erst die Macht zu, die Ihnen erlaubt auf schreckliche Art und Weise mit den Arbeiter*innen und unserer Umwelt umzugehen. Indem mensch das eigene Konsum verhalten in Hinblick auf Fairness gegenüber Mensch und Natur ändert, kann viel erreicht werden. Trotzdem machten fair gehandelte Produkte auf dem deutschen Lebensmittelmarkt im Jahr 2012 nur ungefähr 0,26% des gesamten Umsatzes aus. Verschwindend wenig. Es gilt also noch viele Konsument*innen zu überzeugen. Dennoch gab es von 2011 auf 2012 eine Marktsteigerung um 18%, was unter anderem daran liegt, dass immer mehr Kund*innen das recht vielfältige Angebot an Produkten entdecken. Auf dem Markt sind nicht nur klassische Lebensmittel wie Schokolade und Bananen zu erwerben, sondern auch Textilien oder Rosen.

533295_4846936536050_1227320148_n(Foto: Leo Simon)

Die drei verbreitesten Gütesiegel sind von folgenden Organisationen: FLO e.V. (oben beschriebenes Logo), Rainforest Alliance (grün mit Frosch) und Rapunzel Hand in Hand (grün mit zwei Händen). Alle drei Organisationen stecken sich die gleichen Ziele: soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit. Sogenannte Standards legen fest, was zum Erhalt dieses Siegels auf einem Produkt erfüllt sein muss. Bei FLO e.V. stehen zum Beispiel keine illegale Kinderarbeit, nachhaltige Anbauweise und Fairtradeprämien auf der Agenda.
Nachhaltigkeit klingt gut, muss aber auch wirksam umgesetzt werden. Fairgehandelt ist zum Beispiel nicht gleich bio. Die Ökostandards entsprechen oft keinen effizienten Kritierien. Dazu kommt, dass diese Standards natürlich ordnungsgemäß einghalten werden müssen. Wer kontrolliert das?
Am deutlichsten bekam Transfair e.V. ( deutsche Version von FLO e.V.) solche Vorwürfe im letzten Jahr zuspüren. Eine der wohl größten Fairtrade-Firmen GEPA wandte dem Siegel den Rücken zu, nachdem der Mindestanteil von fairen Zutaten in gekennzeichneten Mischprodukten (z.B. Süßigkeiten) von 50 auf 20% herunter gesetzt wurde. Berechtigt?
Auch fairer Handel ist Opfer des globalen Marktes und muss mithalten. Springen keine Unternehmen an, werden die Richtlinien aufgeweicht.
Um die Welt gerecht und lebenswert für alle Menschen zu machen, müssen wir wohl doch den Kapitalismus abschaffen.
Wer aber jetzt auf der Stelle etwas ändern will, sollte doch mit fairem Konsum anfangen, was außerdem noch deutlich mehr beinhaltet, als „FairTrade“-Produkte zu kaufen.
Bewusst einkaufen, nicht zu viel, nachhaltig, biologisch, vegan/vegetarisch, second hand…