Kartoffelauflauf

von Franzi Mack

Ein Gespenst geht um in Deutschland – PEGIDA. Unter diesem Namen versammeln sich “Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes”, um mit rechten Parolen Stimmung gegen Migrant*innen und Geflüchtete zu machen. Besonders Menschen einer bestimmten Glaubensrichtung scheinen ihnen dabei ein besonderer Dorn im Auge zu sein, nämlich des Islams. Doch statt fundierter, argumentativer Religionskritik belaufen sich die Forderungen dieser Gruppierung vor allem auf eine: “Unser Land – unsere Werte”. Mit dieser Parole demonstriert auch in Würzburg eine wütende Meute an besorgten Bürger*innen, die sich vor Zuwanderung fürchten. Vor allem ältere Männer nehmen an solchen Demonstrationen teil, sie schüren Ängste und erzählen irgendwas von wegen, “damals sei alles besser gewesen”. Als sie zum ersten Mal in Würzburg aufmarschiert sind, waren sie ca. 25 und standen in der Innenstadt einem zivilgesellschaftlichem Protest von 250 Menschen entgegen. Weder die Veranstalter*innen, noch die Polizei vor Ort rechnete mit einem solch starkem Zeichen gegen Rechts. Beim zweiten Mal sah das Ganze hingegen schon anders aus: zwar wurden auch die Teilnehmenden der Pegida-Demo ein paar mehr, doch vor allem die Mobilisierung des Gegenprotests verlief äußerst erfolgreich: ein breites Bündnis an Parteien, Kirchen, Initiativen und Einzelpersonen stellte sich erneut der rassistischen Hetze entgegen und zeigte der Sauercrowd, dass Nazis in Würzburg nicht willkommen sind.

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(WüGiDa Gegen-Demonstration am 15.12.2014. Foto: Sebastian Hansen)

In anderen Städten sah das allerdings ein wenig anders aus: in Dresden demonstrierten am 8. Dezember mehr als 10.000 Pegida-Teilnehmer gegen eine angebliche Islamisierung Sachsens. Dass diese Angst vollkommen absurd ist, zeigt schon die Tatsache, dass nur etwa 0,7 Prozent der sächsischen Bevölkerung muslimischen Glaubens sind – eine “Islamisierung” sähe anders aus. Und dennoch werden in Deutschland Ängste geschürt. Natürlich könnte man dies einfach als lästige Propaganda einiger Ewiggestrigen abtun, doch damit würde man einem nicht gerecht werden: denn womit wir es momentan in Deutschland zu tun haben, ist eindeutig struktureller Rassismus.

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(WüGiDa. Foto: Franzi Mack)

Ganz bewusst bedient sich Pegida nämlicher fremdenfeindlicher Klischees und Stereotypen, um auch die bürgerliche Mitte anzusprechen. Denn nicht nur “typische” AfD- oder NPD-Wähler*innen nehmen an solchen Aufmärschen teil, nein, vor allem die Mitte der Gesellschaft identifiziert sich mit dieser Bewegung. Dies ist ein deutliches Zeichen, dass in Deutschland Rassismus kein Minderheitenproblem von ein paar wenigen Nazis ist, sondern uns überall begegnet.
Es ist verdammt kalt in Deutschland. Und es wird täglich kälter. “Wehret den Anfängen!”
Solange unter dem Deckmantel von Gutbürgertum antiislamische und rassistische Propaganda
salonfähig wird und in unseren Straßen verbreitet wird, solange werde ich dagegenhalten und demonstrieren. Und du solltest das auch tun.