“Studierende sind ein wichtiger Faktor!”

Irland vor dem Referendum zur gleichgeschlechtlichen Ehe

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Am 22. Mai wird in Irland über die gleichgeschlechtliche Ehe abgestimmt. Wir konnten im Vorfeld der Wahl mit Niki, Mitglied der Amnesty International Society an dem University Collage Cork (UCC) im Süden der Insel sprechen.

Brennstoff: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, was macht ihr als Ortsgruppe zur Unterstützung des Referendums und wie ist das Feedback der Studierenden?

Niki: Der Wortlaut des Referendums wurde ganz offiziell vom Amnesty Irland gebilligt und letzte Woche (Anfang März; d Red.) hat unsere landesweite Kampagne gestartet. Aber auch schon im Vorfeld waren wir fleißig aktiv und haben auf dem Campus geworben, sich in die Wählerlisten einzutragen.
(In Irland liegt das Wahlalter bei 18 Jahren, allerdings müssen sich alle bis zum 25. November als Wähler*innen registrieren, um im nächsten Jahr an allen Wahlen und Abstimmungen teilnehmen zu können; Anm. d. Red.)
Unsere Aktion, gemeinsam übrigens mit der Irish Student Union war außerordentlich erfolgreich und über 3000 Studierende haben sich alleine in Cork neu in die Listen eingetragen. Landesweit haben sich ca. 20.000 Student*innen neu eingetragen. Studierende sind für die Wahl sehr wichtig, denn die überwiegende Anzahl ist für eine Gleichstellung. Bei einer „Vorwahl“ auf dem Campus haben sich über 90% für ein „Yes“ ausgesprochen!

Was wird denn eigentlich abgestimmt und was würde sich gegenüber den jetzigen Gesetzen verändern?

In Irland ist es für LGTBI* Paare lediglich gestattet, eine Lebenspartner*innenschaft einzugehen. Ein positives Referendum würde aus Lebenspartner*innen feste Ehepartner*innen machen und sie zu gleichberechtigten Teilen der Gesellschaft machen.

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(Niki)

Wer unterstützt das Referendum und wer ist offiziell dagegen?

Die Kirche und ein paar kleinere Gruppen sind auf jeden Fall dagegen. (Erst im Dezember hat die Irische Bischofskonferenz ein Infoblatt mit dem Titel „ The Meaning of Marriage“ herausgegeben; d. Red.) Die politischen Parteien unterstützen (oder verhalten sich neutral) aber zumindest alle das Referendum. Sogar unser Taoiseach (irischer Ministerpräsident; Fine Gael; Konservative; Anm. d. Red.) unterstütz die „Yes“ Kampagne. In den Medien und in der Gesellschaft im Allgemeinen zeichnet sich auch ein positives Bild ab.

Kannst du uns einen kleinen Einblick in die irische LGBTI* Community geben? In wie weit sind Akzeptanz vorangeschritten?

Die Unterstützung und die Akzeptanz ist in den letzten 10-20 Jahren deutlich gestiegen. Heutzutage ist die Situation sehr gut, wenngleich nicht paradiesisch. So kam es im Vorfeld des Referendums zu homophob motivierten Übergriffen. So gibt es zum Beispiel auf Tinder einige Fake Accounts und eine Person wurde bei einem Treffen zusammengeschlagen!

Zum Schluss, was sind deine Erwartungen?

Ich hoffe und tippe auf einen positiven Ausgang. Jetzt beginnt aber die entscheidende Phase. Alle Unterstützer*innen müssen noch eine Menge Arbeit in die Kampagne stecken und sicher stellen, dass am Ende auch alle zur Wahl gehen. Die Sorge, dass mutmaßliche Unterstützer*innen – sei es aus Vergesslichkeit oder, weil sie denken, es würde ja eh durchkommen, nicht abstimmen, ist immer da. Außerdem liegt der Wahltag in der Prüfungszeit der Unis im Land, sodass viele Studierende sehr beschäftigt sind oder sich einfach nicht in ihrem Wahlbezirk aufhalten. Ich vermute, dass die „No“-Seite auf jeden Fall wählen gehen wird, am Ende wird jede*r einzelne Studierende entscheiden! Wir müssen daher betonen, dass alle wählen gehen müssen. Allgemein denke ich dennoch, dass Irland positiv eingestellt ist.

Wir wünschen auf jeden Fall viel Erfolg!

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(Interviw Leo Simon)